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Samstag, 8. Dezember 2012

Kroatien - Rückreise mit filmreifer Einlage


Paklenica - Kraljevica:
Wer hätte gedacht, dass der Weg zurück so spannend wird. Am Morgen nach unserem letzten Klettertag gingen wir es nochmal ganz ruhig an. Bei schönstem Sonnenschein gingen wir nochmal baden, ärgerten Seegurken und fingen uns, zur Beobachtung, einige Garnelen. Wir hatten ja noch so viel Zeit, bis der Bus am zeitigen Nachmittag zurück in den Norden fahren würde. Da wir auf dem Rückweg auch wieder möglichst viel trampen wollten, stand Körperpflege ganz oben auf der To-Do-Liste. Rasieren, Duschen, Haare waschen, saubere Kleidung anziehen - alles Pflicht, wenn wir den Autofahrern nicht als stinkende Barbarenhorde in Erinnerung bleiben wollten. Da wir nicht wussten, wie es in der Region mit der Pünktlichkeit der Busse beschieden ist, gingen wir ein bisschen zeitiger zur Haltestelle. Das Wetter war sonnig, wir saßen im Haltestellenbereich auf unseren Rucksäcken und überbrückten die Wartezeit damit, vielleicht doch eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Aber die Mühen waren vergebens. Zwar waren schon einige Touristen auf dem Weg nach Nord, aber niemand hielt an. Der Bus kam, wir stiegen ein und ich bin mir nicht sicher, ob der Fahrer uns so unter der Hand mitgenommen hat. Wir bekamen einen Sonderpreis und mussten auch für die Gepäckaufgabe nichts bezahlen. Ich bin mir fast sicher, dass der Fahrer und sein Begleiter das Geld für ein netten Zusatzverdienst brauchten.

Fabian bei Trampversuchen in Paklenica

Mit Torsten an der Bushaltestelle

Der Zustand des Busses war nicht so top, wie auf der Hinreise, aber da war ich ja schon eine Menge von der Reise in Peru gewöhnt. Hauptsache, man kann es sich für die Fahrt gemütlich machen. Die Rückfahrt dauerte mehrere Stunden. In dieser Zeit änderte sich das Wetter rapide. Eine bedrohliche Wolkenfront kam vom Festland und schlug mit enormem Wind auf die Wasserfläche. Unser Bus auf der Küstenstraße begann bedrohlich im Sturm zu schwanken und durch die Klimaanlage regnete rein. Ein junge Frau, die dort saß, wo es reinregnete, rutschte einfach auf den Nachbarplatz. Scheinbar war der Zustand des Busses eher normal für die Gegend. Das Wetter war es allemal, denn es muss die Bora gewesen sein. Die Bora ist ein starker ablandiger Wind im Bereich Kroatiens. Im vorfeld hatte ich schon einiges von Kajakfahrern gelesen, die wegen dieser Wind in Seenot geraten sind. Nachdem wir diesen Sturm, die Wellen und die enorme Gischt gesehen hatten, war uns klar, dass diese Geschichten durchaus der Realität entsprechen sollten. Aber wir waren ja recht sicher in unserem Bus. Aber in Kraljevica musste wir aussteigen und der Temperatursturz ließ uns frösteln. Wir waren im T-Shirt eingestiegen und beeilten uns nun, schnell an der Haltestelle die warme Kleidung aus den Rucksäcken zu kramen. Um den Abend und auch den Kroatienaufenthalt abzurunden suchten wir uns eine Pizzeria und schlugen uns die Bäuche voll. So verbrauchten wir noch einen Großteil unseres kroatischen Geldes. Dadurch suchten wir uns erst spät einen Übernachtungsplatz. Im dunkeln ist es immer schwierig einen Schlafplatz in der Nähe einer Ortschaft zu finden - sofern man nicht gerade in ein Hotel einziehen will. Man kann nie wissen, wer den Schlafplatz am zeitigen nächsten Morgen nutzt und ob man diesen Menschen akut stört. Unser Ziel ist es immer einen Ort zur Übernachtung zu finden, der von den Einheimischen geduldet wird. Dass wir dabei unsere Lagerplätze in einem sauberen Zustand zurücklassen, versteht sich von selbst. Diesmal sollte uns das Vordach eines Gebäudes am Rand eines abgelegenen Fußballplatzes Schutz vor Wind und Wetter geben. Das Schlafen auf dem harten Betonboden ist zwar nicht sehr angenehm, aber wenigstens sollte uns hier kein Regen in der Nacht unangenehm überraschen.

Die Gischt der Bora vor der kroatischen Küste

Kalter Empfang in Kraljevica

Kraljevica - Rijeka:
Der nächste Morgen war kalt. Nicht zu vergleichen mit den Temperaturen eines Oktobermorgens in Deutschland, aber doch merklich kälter, als der Morgen zuvor in Paklenica. Etwas fröstelnd fanden wir uns auf einem Parkplatz am unteren Ende der Bucht südlich von Rijeka ein. Umringt von Wohnmobilen begannen wir um Mitfahrgelegenheiten zu werben, aber kein Fahrzeug wollte anhalten... mehrere Stunden nicht. Parallel dazu nutzten wir die Zeit, um zu frühstücken. Als die ersten Bewohner der Wohnmobile aufwachten, kamen wir mit diesen ins Gespräch. Einige hätten uns mitgenommen, aber waren noch auf dem Weg in den Süden. Andere hingegen waren auf dem Heimweg in den Norden - einer sogar auf dem Weg nach Pirna - aber keiner von ihnen wollte auch nur einen von uns mitnehmen. Nicht einmal für ein paar Kilometer. Das ist dann schon echt frustrierend, wenn man im Gespräch bereits eine Vertrauensbasis verspürt, dann aber doch eiskalt abgewiesen wird. Ich kann Autofahrer verstehen, wenn sie in einem fremden Land nicht anhalten oder Angst haben jemand mitzunehmen, aber wenn man schon im Gespräch war und weiß, dass der Tramper ein netter Mensch aus der Heimatstadt nebenan ist, dann sollte es doch möglich sein, ihn wenigstens ein Stück weit Hilfe zu offerieren. So lichtete sich, Stück für Stück, der Parkplatz und am Ende standen nur noch Torsten, Fabian und ich mit dem Daumen an der Straße. Es lag auch definitiv nicht an zu geringer Durchflußmenge von Fahrzeugen, denn es war ein reger Rückreiseverkehr nach Norden. Wir versuchten es auch abwechselnd mit unterschiedlichen Zielen - Hauptsache nördlich und sei es bloß der Sprung bis Rijeka. Aber bis etwa 10 Uhr tat sich nichts. Dann stoppte unerwartet ein weißer Kleinwagen. Der ältere Herr auf dem Fahrersitz bot zweien von uns eine Möglichkeit zum Mitfahren bis zur Autobahn bei Rijeka an. Für mich war die Sache klar, dass Fabian und Torsten mitfahren sollten. Ich weis nicht so ganz woran es liegt, aber ich brauche wohl manchmal auch ein Abenteuer für mich allein und weis, dass ich schon irgendwie aus jeder Situation herauskomme - jedenfalls habe ich den nötigen Optimismus dafür. Außerdem dachte ich, dass ich ja ohnehin allein vielleicht eher eine Chance hätte, jemanden anzuhalten, als zu dritt.

So trennten sich unsere Wege mal wieder. Während ich nun weiter verzweifelt versuchte jemand anzuhalten, begann ein ganz eigenes Abenteuer für Fabian und Torsten. Der nette Herr wollte sie später auf dem Standstreifen der Autobahn rauslassen - direkt zwischen zwei Tunneln. Trampen vom Standstreifen aus sei in Kroatien an der Autobahn üblich. Zum Glück konnten die zwei den Vorschlag abwenden, denn wenn keiner anhält, kannst Du zwischen zwei Tunneln ja überhaupt nicht von deinem Posten als Tramper weg. Die Alternative war aber nicht gerade viel besser. So wurden sie an einer Stadtausfahrt von Rijeka herausgelassen, wo aber keinerlei Verkehr Richtung Slowenien vorbei kam. Lediglich Fahrzeuge mit dem Stadtkennzeichen von Rijeka sollen es gewesen sein. Also liefen die beiden in die Stadt hinunter und zum Bahnhof. Dort kauften sie vom letzten kroatischen Geld zwei Tickets für den Mittagszug nach Ljubljana.


In dieser Zeit musste ich die schmerzliche Erfahrung machen, dass auch in der nächsten halben Stunde niemand, auch nur ansatzweise, Anstalten machte mich mitzunehmen. Kurzerhand schnallte ich mein Pappschild auf die Rückseite meines Rucksacks und begann die Landstraße entlang zu laufen. Mittlerweile hatte sich die einsetzende Mittagssonne durchgesetzt. Die damit verbundene Wärme ließ mich ganz ordentlich unter meinem schweren Rucksack schwitzen. Ich habe nie gemessen, wie schwer er war, aber im Gepäck steckte Kleidung für jedes Wetter, Schlafsack, Leichtisomatte, Kocher, Hängematte, Spiegelreflexkamera, Klettergurt, Kletterseil, Kletterkarabiner, Klemmkeile, Essen und Trinken. Insgesamt schätze ich meinen Rucksack auf etwa 15 bis 20 Kilogramm. An den Füßen hatte ich meine Bergstiefel. So umrundete ich die Bucht und machte dabei ungefähr 7 Kilometer. Während der gesamten Zeit hielt ich permanent den Daumen raus, machte mir aber mittlerweile kaum noch Hoffnung, dass mich jemand noch mitnimmt.
Bei der Autobahnauffahrt von Bakar machte sich mein Handy bemerkbar. Fabian setzte mich davon in Kenntnis, dass sie 12 Uhr in Rijeka mit dem Zug nach Ljubljana aufbrechen. Ich schaute auf die Uhr und auf die Landkarte. Es war nun kurz nach 11 Uhr und es gab zwei Optionen, um zu Fuß nach Rijeka zu laufen. Die Landstraße am Meer schätzte ich auf etwas mehr als 10 Kilometer (tatsächlich 13km), aber auf einer Höhe. Die Alternative führte über einen Bergrücken und ich schätzte die Entfernung optimistisch auf etwa 7 Kilometer (tatsächlich 9km). Unter normalen Trainingsbedingungen schaffte ich 10 Kilometer in etwa einer halben Stunde. Wie es sich mit vollem Rucksack und in Bergstiefeln aussehen würde, daran wollte ich nicht denken. Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt kein Bargeld mehr und bei mir ist immer eine große Portion Optimismus inklusive. Ich packte kurzerhand alles, was ich am Mann hatte in den Rucksack und begann zu rennen. Als Route wählte ich die kürzere, weil ich sowieso schon fast auf dem Bergrücken war und weil sie die kürzere Route war. Ich rannte, was die Beine hergaben und versuchte im Rennen die vorbeikommenden Fahrzeuge anzuhalten, aber ohne weiteren Erfolg. Irgendjemand musste doch bei einem rennend-trampenden Backpacker anhalten! Diesen verzweifelten Spurt setzte ich etwa 4 Kilometer fort, lediglich unterbrochen, um Leute entlang der Straße anzusprechen, ob sie mich in die Stadt bringen könnten. Aber verzweifelte Taten bringen wundersame Lösungen mit sich. Als ich gerade wieder einen älteren Herren versuchte zu überzeugen, mich zu fahren, da hielt neben mir ein kleiner silbergrauer PKW.
Den Anblick werde ich wohl nie vergessen. Auf dem Fahrersitz ein junger Kerl mit struppigem Haar und gestreiftem Sweatshirt. Auf dem Beifahrersitz wohl seine Freundin im gelben Pullover, mit großer Sonnenbrille, knallrotem Lippenstift und einem kleinen Hund auf dem Schoß. In der Hand lässig eine Zigarette. Hastig fragten mich beide, was ich hier mache und wo ich hin will. Meiner Erklärung, dass ich um 12 Uhr am Bahnhof in Rijeka sein müsste, folgte ein gemeinsamer Blick zur Uhr im Fahrzeug. Es war nun schon kurz nach 11:30 Uhr. Mit diesem ganzen Gepäck würde ich es spurtend definitiv nicht mehr schaffen - Optimismus hin oder her. Die junge Frau sprang aus dem Auto, klappte den Sitz vor und ehe ich mich versah saß ich mit meinem Rucksack auf der Rücksitzbank und mein Duo Infernale gab Vollgas in Richtung Rijeka. Was nun folgte, wirkte auf mich so spektakulär, dass es der gesamten Aktion ein filmreifes Finale gab.
Durch die Dörfer raste der Kleinwagen nur so dahin, aber mit dem Ortseingang von Rijeka wurde der Verkehr dichter. Im Zick-Zack-Kurs schlängelten wir uns durch den dichten Verkehr. Der Zeiger näherte sich trotzdem unweigerlich der zwölf. Fünf Minuten vor 12 befanden wir uns im Zentrum der Stadt. An einer roten Ampel staute sich der Verkehr. Obwohl wir einer der zwei Spuren nach links folgen mussten, sortierte sich mein Fahrer in die Rechtsabbiegerspur, weil wir hier ganz vorn an der Ampel stehen konnten. Bei Grün gab er vollgas und zog dann vor die Linksabbieger. Ein Schwenk, der Hauptstraße folgend, nach rechts und wir befanden uns auf der Zielgerade zum Bahnhof. Nur noch drei Ampeln geradeaus - aber auch nur noch zwei Minuten bis der Zug abfährt. Rote Ampeln durften nun nicht mehr gelten. Jeweils ein kurzer Blick in die Seitenstraßen und dann mit ordentlich Tempo über die roten Ampeln. Ich dachte, dass meine zwei Rettungsengel verrückt sein müssten, soviel Risiko für einen unbekannten Tramper einzugehen. In die Bahnhofseinfahrt fuhren wir gegen die Fahrtrichtung ein und blieben irgendwie schräg vor dem Bahnhofsgebäude stehen.
Die Uhr zeigte eine Minute nach 12 Uhr. Die junge Frau sprang vom Beifahrersitz und klappte den Sitz vor. Ich sprang raus und packte meinen Rucksack. Er war mittlerweile schon vom Fahrersitz gesprungen und rannte Richtung Bahnhofshalle. Zum Dank ein kurzer Ruf zu seiner Freundin - mehr Zeit blieb mir nicht. Dann rannte ich auch schon hinter ihm hinterher. Gemeinsam rannten wir auf den Bahnsteig und der Zug stand gerade noch da. Weiter hinten stand Fabian und winkte erleichtert. Eine kurze Umarmung mit meinem dem jungen Mann, zum Dank. Schnell joggte ich zu Fabian am hintern Ende des Zuge. Seine erste Frage: "Hast du ein Zugticket?". Natürlich hatte ich das nicht. Also hetzte Fabian wieder in die Bahnhofhalle und organisierte das Ticket, während Torsten im Abteil auf die Rucksäcke aufpasste und ich in der Zugtür stand und mit meinem Rucksack versuchte Standhaftigkeit gegenüber einem eventuellen Anrollen des Zuges zu demonstrieren. Aber Fabian schaffte es rechtzeitig zurück und wir rollten mit ein paar Minuten Verspätung in Richtung Rijeka. Und endlich hatte ich nun auch endlich Ruhe. Von meinen beiden Helfern habe ich leider nichts - keine Namen, keinen Wohnort. Aber ich bin ihnen bis heute unendlich dankbar. Ohne die beiden wäre die Sache unendlich komplizierter geworden.

Im Zug nach dem Showdown in Rijeka
 
Mit dem Zug nach Ljubljana


Rijeka - Dresden:
In Ljubljana liefen wir erstmal zwei Stunden bis zum Stadtrand. An der Autobahnabfahrt trampten wir weiter Richtung Österreich. Und das Trampen lief richtig gut in Slowenien. Erst hielt wieder eine junge Fahrerin mit einem Kleinwagen. Sie wollte erst nur mich mitnehmen. Als sie merkte, dass wir drei zusammengehören, da winkte sie nur kruz und ließ uns alle einsteigen. So wurde es sehr eng im Auto. Fabian und Torsten saßen auf der Rückbank und hatten ihre Rucksäcke auf dem Schoß. Beide konnten deshalb nichts mehr sehen. Ich stieg auf den Beifahrersitz und versuchte den Rucksack ins Auto zu bekommen. Erst steckte ich ihn zwischen die Knie, bekam dann aber die Tür nicht mehr zu. Also nahm ich den Rucksack auf den Schoß. Nun konnte ich auch nichts mehr sehen, aber immerhin die Tür schließen. Unsere Fahrerin brachte uns bis zu einer Raststelle bei Kranj. Mittlerweile war es dunkel und ich wollte eigentlich nicht weiter. Aber als wir ziemlich geschafft auf dem Bordstein vor der Tankstelle saßen grüßte mich ein VW-Transporter-Fahrer freundlich. In meiner geistigen Abwesenheit grüßte ich zurück und realisierte erst kurze Zeit später unsere neue Chance. Fabian fragte den Fahrer, als er wieder aus der Tankstelle kam und schon hatten wir nach nur 10 Minuten wieder eine Mitfahrgelegenheit. Damit schafften wir es an diesem Abend noch bis zu letzten Tankstelle vor Österreich bei Jesenice. Hier verbrachten wir eine eisige Nachte auf einer Hand voll Parkbänken. Jeder von uns vermummte sich in seinen Schlafsack auf einer der Bänke und wartete auf den nächsten Morgen.

Torsten beim Trampen in Slowenien
 
Unser Schlafplatz bei Jesenice

Dieser Morgen kam dann sehr frostig. Die Welt um uns herum hatte Raureif angelegt und wir wuschen uns so gut wie möglich in der Tankstellentoilette. Anschließend bezogen wir Tramperstellung an der Tankstelle und wärmten uns in der Morgensonne. Bereits nach kurzer Zeit sprachen wir eine junge Fahrerin mit einem Combi an und sie war zunächst bereit zwei von uns mitzunehmen. Als Fabian und Torsten ihre Rucksäcke in den Kofferraum packten organisierten sie mir noch einen Platz im Fahrzeug. So ging es mit unserem lustigen Gespann nach Österreich. Tine saß am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz und Fabian und Torsten mit Tines kleinem Hund auf der Rückbank. Die Fahrt durch Österreich ließ uns große Auge machen. Überall lag nun Schnee, wo wir noch vor etwa einer Woche an der Tankstelle standen und auch auf der Wiese übernachtet hatten.

Wir verstanden uns super und trotz dass wir mittlerweile nicht mehr taufrisch waren machten wir mit Tine wiederrum den großen Wurf. So brachte sie uns tatsächlich die kompletten restliche 800 Kilometer bis nach Dresden. So bedankten wir uns für die Mitfahrgelegenheit und verabschiedeten uns schweren Herzens von Tine und ihrem Hund. Somit ging unser Trip durch nach Kroatien zu ende und wir hatten trotz der kurzen Zeit eine Menge erlebt. Etwa Zeitgleich erreichten auch Janine und Sebastian Dresden. Sie waren einen Tag später in Paklenica aufgebrochen, die Nächte durchgetrampt und hatten die Strecke auch in einer beachtlichen Zeit trampend hinter sich gebracht.

Überraschend Schnee in Österreich

Abschied von Tine und ihrem Hund in Dresden

Donnerstag, 29. November 2012

Kroatien - Klettern in Paklenica

Eingang des Nationalparkes bei Paklenica

In den folgenden drei Tagen haben wir uns voll dem Klettern im Nationalpark von Paklenica gewidmet. Für den ersten Tag wollten wir uns erstmal mit dem Sportklettersektor am Taleingang befassen. Dort konnten wir uns bei wunderbar warmem Wetter an kurzen Routen ausprobieren. Janine und Sebastian waren auch mittlerweile zu uns gestoßen. Wir hatten allerdings nicht erwartet, dass wir nur auf der schattigen Seite des Tales klettern konnten. In der Sonne wurde es auch jetzt - Anfang Oktober - schlicht weg zu heiß. Selbst wenn die Sonnenseiten des Tages am Abend wieder im Schatten lagen, waren sie bis zum Sonnenuntergang noch so warm, dass einem die Hände beim Klettern schwitzten.


Frühstück direkt an der Felswand

Fabian im Sportklettersektor

Torsten an einer schönen Kalkrippe

Der Fels ist wunderbarer Kalkstein. Dabei bilden sich Formen, die sich oft in langen, beindicken Pfeilern die Wände hoch erstrecken. Aber auch dünne scharfkantige Felsschuppen findet man an den Wänden. Diese klingen oft wie Glas, wenn man mit dem Finger dagegenschlägt. Aber selbst die filigranen Schuppen sind extrem hart und halten große Belastungen ab. Wenn die obere, raue und griffige Kalkschicht aber einmal abgeplatzt ist, dann kommt darunter eine glatte, speckige und schlecht kletterbare Gesteinsschicht zum Vorschein. Diese Erfahrung macht Torsten für uns. Er war nur wenige Meter in den Weg hineingeklettert, rutschte auf der speckigen Schicht weg und hin plötzlich neben mir im Seil. Gut, dass immer brav vom ersten Meter an sichern.

Ich im Bereich der beiden Gesteinsschichten (oben griffig - unten speckig)
Janine und Sebastian bereiten das Frühstück vor

Als wir uns dann endlich die Finger genug wund geklettert hatten, haben wir den ersten gemeinsamen Abend mit Wein am Strand gefeiert. Am zweiten Tag in Paklenica wollten wir dann eine längere Route angehen. Aber wir waren ein wenig spät vom Frühstück in den Tag gestartet und kamen in unserer Dreierseilschaft eher mäßig voran. Irgendwie wollte nichts so richtig funktionieren. Und als sich der Tag bedrohlich dem Ende neigte beschlossen Torsten, Fabian und ich in der halben Route umzukehren. Diese Einschätzung war wohl genau richtig, denn wir erreichten den Talboden gerade noch beim letzten Licht des Tages. Auf dem Rückweg zum Campingplatz kauften wir noch schnell ein bisschen ein. Auch der zweite Abend wurde von uns zünftig gefeiert, bis tief in die Nacht hinein. Vielleicht kamen wir deshalb jeden Morgen nur so spät an die Felswand.

Blick in die Tiefen des Nationalparks

Am Morgen sahen wir nicht immer taufrisch aus...








... aber unsere ausgedehnten Abendessen waren immer so schön.


Unseren dritten und letzten Morgen im Nationalpark wollten wir erstmal nochmal in den Sportklettersektoren klettern. Am Nachmittag entschieden wir uns dann doch nochmal in eine längere Route einzusteigen. Die Route machte ausgesprochen Spaß und wir erreichten den Gipfel in der anvisierten Zeit und noch bei Tageslicht. Allerdings stellte sich der Abstieg als wesentlich länger heraus, als im Kletterführer angegeben war. Wir schafften es noch bis zum Einbruch der Dunkelheit bis auf Sichtweite zu einer Schuttrinne, durch die wir dann in absoluter Finsternis den Weg hinunter stolperten. Unten angekommen konnten wir dann endlich aus unseren engen Kletterschuhen raus und uns erstmal auf dem Parkplatz ausruhen. Fabian hat damals gesagt, dass er so schnell keine Mehrseillängentouren mit mir machen würde. Ich denke, dass ich ihn schon bald mal wieder zu so etwas überreden kann. Gut abgekämpft, müde aber glücklich, liefen wir dann durch die dunklen Straßen zum Campingplatz zurück. Nach einem weiteren gut gefeierten Abend lagen Torsten, Fabian, Janine und Sebastian wieder in ihren Zelten und ich in meiner Hängematte mit Blick auf das Meer. An diesem Abend wurde mir klar, dass ich wieder nach Kroatien reisen werde. Der Nationalpark von Paklenica bietet noch vieles zum Erkunden, Wandern und Klettern. Und weiter hinten im Park soll es auch noch Bären geben. Ich habe noch nie einen Bären in freier Natur gesehen...


Die steilen Kletterwände am Taleingang

Gipfelfoto von Fabian

Und auch Torsten ist mit unserer Tageleistung zufrieden.

Mit diesen Gedanken schlief ich ein. Über meiner Hängematte war der klare Sternhimmel und die zwei Baumkronen der Kiefern, an denen die Hängematte befestigt war. Wenn ich über den Rand der Hängematte blickte konnte ich auf das Meer und die Inseln hinausschauen. Dieser Anblick würde morgen früh schon wieder auf mich warten.
 
Unser Basislager - zwei Zelte und meine Hängematte

Mittwoch, 28. November 2012

Kroatien in acht Tagen


Prolog:

Es war die erste Oktoberwoche 2011. Wir hatten uns in den Kopf gesetzt nochmal schnell vor Semesterbeginn einen kurzen Kletterurlaub in Kroatien zu verbringen. Vom Hörensagen war uns der Nationalpark von Paklenica bekannt und genau dort wollten wir hin. Zu den Reisewilligen gehörte Torsten, Fabian, Janine, Sebastian und ich. Da wir kein Fahrzeug zur Verfügung hatten sollte es mit Trampen und den öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Europa gehen. Wir starteten in zwei Gruppen. Zur ersten gehörten Torsten, Fabian und ich. Ein bisschen später starteten Janine und ihr Freund Sebastian von Dresden.
Auf der einen Seite wollte ich gern wieder das Gefühl des Trampens erleben, Menschen kennenlernen und ein bisschen Unabhängigkeit von alltäglichen Lebensrythmen erleben. Dieses Gefühl wollte ich gern mit meinen zwei Wegbegleitern teilen. Auf der anderen Seite ist eine Woche ein knappes Zeitfenster, um zweimal quer durch Europa zu touren und zwischendurch noch entspannt zu klettern. Und nicht zuletzt ist auch der Rucksack durch die Kletterausrüstung zu schwer, als dass man auf halbem Weg wieder umkehren möchte. Deshalb entschied sich unser dreiköpfiges Team von Dresden mit dem Zug zu starten.



Tag 1:
Wir fuhren mitten in der Nacht los und kamen auch erstmal nur bis Chemnitz, wo wir die Nachtpause der Züge abwarten mussten. Erst rollten wir unsere Schlafsäcke in der Bahnhofshalle aus und wenig später verwies uns ein freundlicher Polizist in einen Warteraum, in dem bereits viele Menschen schliefen. Mit dem ersten Zug am Morgen ging es dann in Richtung Hof und weiter nach Regensburg. Während der Fahrt füllte sich der Zug bis zum bersten. Wir hatten das Oktoberfest nicht bei unseren Planungen bedacht. Beim Umsteigen in Regensburg passten wir dann nicht mehr in den Anschlusszug nach München. Über Umwege erreichten wir dann doch noch München, indem wir zwischenzeitlich in Richtung Passau fuhren. Aber München befand sich im Ausnahmezustand des Oktoberfestes und wir fuhren weiter nach Salzburg. Hier endete unser Wochenendticket. Wir machten einen Spaziergang durch Salzburg und stellten uns dann an den Autobahnzubringer Richtung Süden. Mittlerweile wurde es Abend und wir hatten noch nicht wirklich einen Schlafplatz für die Nacht in Aussicht. Als es bereits fast dunkel war hat uns dann noch ein netter junger Mann bis zur nächsten Raststätte gebracht. Hier schliefen wir in unseren Schlafsäcken auf einer Wiese mit Blick zu den hohen Alpenbergen.


In Regensburg passen wir nicht mehr in den Zug

Mit vollem Gepäck quer durch Salzburg

Tag 2:
Nach der Morgentoilette im Rasthof ging es dann richtig mit dem Trampen los. Wenn drei Männer versuchen eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, dann könnte das schwierig werden - soviel war uns bewusst. Aber mit viel Energie bastelten wir unsere Pappschilder, hielten den Daumen raus und sprachen mit Autofahrern, die zum Tanken oder Pausieren auf den Rasthof kamen. Aber stundenlang waren wir erfolglos. Nach drei Stunden hatten wir immerhin Fabian auf den Weg gebracht. In einem kleinen Auto mit Wildwasserboot auf dem Dach verabschiedete er sich Richtung Süden - Wir würden uns schon wiedertreffen. Aber für Torsten und mich lief es die nächsten zwei Stunden nahezu aussichtslos. Wir versuchten wirklich alles. Es wäre uns schon recht gewesen, wenn uns jemand wenigstens bis zur nächsten Ausfahrt mitgenommen hätte - aber nichts tat sich. Letztlich hatte Torsten Erfolg. Er ein nettes belgisches Paar mit ihrem Wohnmobil angesprochen und sie waren bereit, uns mitzunehmen. Fünf Stunden wachsender Frust hatten ein Ende. Kaum waren wir gestartet, kam auch schon Nachricht von Fabian. Er steckte auf dem letzten Rasthof vor Slowenien fest. Auch dort war kein vorankommen und auf der Rückseite eines Verkehrsschildes hatten sich schon viele verzweifelte Tramper verewigt. Dieser Rasthof schien einem Schwarzen Loch für Tramper gleich. Torsten und ich hatten aber mittlerweile herausgefunden, dass unsere belgischen Freunde auch auf dem Weg zur kroatischen Küste sind. Sie hatten uns auch sofort angeboten, uns bis dorthin mitzunehmen. Wir erzählten ihnen von Fabians Situation und nach kurzer Beratung beschlossen sie auch noch Fabian mit an Bord zu nehmen. Dank den Belgiern hatten wir nun doch noch den großen Sprung bis nach Kroatien geschafft. Als sie uns am Abend südlich von Rijeka absetzten waren wir überglücklich und genossen erst noch den lauwarmen Abend und die Sonne. Allerdings fanden wir nicht den geplanten Zeltplatz. Oktober ist bereits außerhalb der Saison, weshalb die Campingplätze im Norden von Kroatien geschlossen sind. Aber unser Schlafplatz an der Uferpromenade war super und ich hätte ihn nicht gegen einen Campingplatz tauschen wollen.


Der erste Blick auf die Bucht bei Rijeka

Abschied von den Belgiern

Blick Richtung Rijeka

Unser Schlafplatz an der Promenade von Kraljevica

Tag 3:
Wir genossen die warme Morgensonne am Meer. Ein gutes Frühstück, ein Bad im Meer und das Bewusstsein, dass es zu Hause jetzt unangenehm kalt ist, ließ unsere Euphorie für diesen Urlaub voll aufblühen. Nach einem Marsch, mit all unserem Gepäck, zurück zur Straße versuchten wir wieder unser Tramperglück. Schon nach kurzer Zeit nahm uns ein ehemaliger kroatischer Soldat mit bis Cricvenica. Aber er machte uns nicht viel Hoffnung für unseren weiteren Weg. Seiner Aussage nach sei das Trampen in Kroatien nicht mehr üblich, weil keiner mehr jemanden mitnehmen würde. Und seine Vorhersage sollte sich für unsere Dreiergruppe bewahrheiten. Wir standen uns bei Cricvenica die Beine zwei Stunden in den Bauch, bis uns ein Einheimischer die lokale Buslinie empfahl. Zwischen den kleinen Städten des nördlichen Küstenabschnittes und den Städtchen an der Küste bei Zadar ist nur wenig Verkehr. Alles spielt sich eher lokal ab und wer weiter in den Süden muss nutzt die Autobahn im Hinterland. Nach dieser Erläuterung wanderten wir zurück ins Zentrum von Cricvenica und kauften uns Tickets für den Bus nach Paklenica. Es war aber letztlich nicht so schlimm. So hatten wir nochmal Zeit zum Baden am Kiesstrand. Die Busfahrt war wunderschön. Ein geräumiger, bequemer Reisebus brachte uns durch einen der schönsten Sonnenuntergänge, die ich bis dahin, in meinem Leben, gesehen und fotografiert habe. In der Dunkelheit kamen wir auf dem Campingplatz der Nationalparkverwaltung an. Da das Wetter so schön war und auch die Nachttemperaturen angenehm waren, schlief ich in der Hängematte und Torsten und Fabian teilten sich das Zelt.


Das letzte Stück bequem im Überlandbus

Paklenica begrüßt uns mit einem feinen Sonnenuntergang


Sonntag, 28. Oktober 2012




Wir waren unbeholfen, als wir Lima das erste mal betraten und, entgegen meinen Erwartungen, hatten drei Wochen im Hinterland kaum etwas an unserer Hilflosigkeit geändert. Der Taxifahrer vom Flughafen wollte nicht recht auf uns hören, setzte uns an einem teueren Hostel seiner Wahl ab und verlangte eine unverschämte Summe Geld. Wir wussten auch nicht, ob wir dem Hostelbesitzer vertrauen konnten oder ob sie gemeinsame Sache machten. In der folgenden Preisverhandlung - die mafiöse Züge annahm - stellte sich immerhin heraus, dass scheinbar der Hostelbesitzer auf unserer Seite war und der Taxifahrer einfach nur unverschämt war. Touristen müssen in Lima offensichtlich gerupft werden, wie eine Weihnachtsgans. Innerlich machte mich diese Situation unruhig und ich beruhigte mich erst wieder bei einem Spaziergang durch den Stadtteil Miraflores. Meine Mutter und ich hatten ein Zimmer über dem Eingang des Hostels. Und so konnte ich am nächsten Morgen beobachten, wie erneut ein schwarzes Taxi vorfuhr und die nächsten Touristen ablieferte und ihnen noch den doppelten Betrag unserer Wuchersumme abnötigte.


Im vollen Micro Richtung San Pedro de Casta
Es war höchste Zeit Lima nocheinmal für zwei Tage den Rücken zuzukehren. Unser Ziel war wiedermal ein Geheimtipp von Tilmann. Nur 70 Kilometer Luftlinie, aber 4000 Höhenmeter entfernt sollte sich das Felsplateau "Marcahuasi" befinden. Wir deponierten alle unnötigen Gepäckstücke im Hostel und nutzten Micros - Personenbusse größer als Collectivos, aber kleiner als Reisebusse - um durch die ärmsten Viertel Limas gen Osten zu verlassen. In Chosica verliesen wir den Micro und warteten zwei Stunden auf die Abfahrt des Micros nach San Pedro de Casta. Waren wir zuvor noch im Tal unterwegs, ging es nun rapide hoch in die Berge. Die Straße war längst nur noch eine Schotterpiste auf der jeder Gegenverkehr zum Problem wurde. Auf der einen Seite war die steile Bergseite und auf der anderen Straßenseite ging es meist in einen hunderte Meter tiefen Abgrund. Mit der Zeit füllte sich das Fahrzeug mit immer mehr Einheimischen, bis es selbst für peruanische Verhältnisse kaum mehr Platz gab. Am Abend erreichten wir San Pedro de Casta. Von hier muss man die restlichen 400 Höhenmeter nach Marcahuasi wandern. So schliefen wir bei knapp 4000 Metern Höhe mit einer super Aussicht.

Blick über den Rand der Straße

San Pedro de Casta

Auf dem Weg nach Marcahuasi

Klettern in Marcahuasi

Das Koloseum von Marcahuasi

Abbruchkante des Plateaus Richtung Lima

Der nächste Morgen wartete mit dem gewohnten Sonnenschein. So hatten wir bestes Wetter, um die Felsen des Hochplateaus genauer zu erkunden. Marcahuasi ist trotz der riskanten Anreise empfehlenswert. Die Gipfel, Felstürme und Gesteinformationen sind in den seltsamsten Formen verwittert. Ein wenig Klettern war uns dann auch noch möglich. Bei den figürlichen Felsstrukturen ist man sich bis heut nicht sicher, ob sie nicht vielleicht doch durch einer Kultur behauen sein könnten. Vom Rand des Plateaus kann man bis Lima und weiter auf den Pazifik schauen. Wir waren einige Stunden unterwegs und schafften trotzdem nicht das komplette Plateau zu erforschen. Teils lag das auch an einer herannahenden Unwetterfront. So mussten wir schnell vom Plateau herunter und uns in die nähe von San Pedro begeben. Die Weg sind hier überall von Kaktusbäumen umgeben. Durch den einsetzenden Regen fingen diese sofort an zu blühen. Ein schönes Schauspiel der Natur und wir waren in der ersten Reihe dabei. Aber auch wir blühten förmlich auf. Für uns war es der erste Regen seit Beginn unserer Reise, drei Wochen zuvor. Nur auf das Gewitter hätten wir verzichten können. Wir lagen dann schon 17 Uhr im Zelt, im Schutz einer Eselkoppel.

Der zeitige Schlaf hatte auch seine guten Seiten. So fiel es uns nicht schwer zeitig aufzustehen und den frühe Bus zurück nach Lima zu bekommen. Es verkehren nur zwei Busse am Tag in jeder Richtung und wenn wir unseren Flieger heimwerts bekommen wollten, dann sollten wir möglichst den ersten Bus bekommen. Oder spätestens den Zweiten. Meine größte Sorge war, dass das Unwetter in der Nacht die Schotterpiste über Nacht unpassierbar gemacht haben könnte. Aber zum Glück waren meine Befürchtungen falsch und wir erreichten wieder unser Hostel in Lima. Unserem Hostelbesitzer vertrauten wir mittlerweile halbwegs und so ließen wir uns von ihm ein Taxi für den nächsten Morgen zum Flughafen organisieren. Und tatsächlich funktionierte alles bestens und wir erreichten den Flughafen trotz Verkehrschaos rechtzeitig und zu einem vertretbaren Preis. Der Rückflug über Venezuela verlief weitesgehend reibungslos, außer das ein Razzia des Lufthansa-Fliegers in Caracas für zwei Stunden Verspätung sorgte. Nach dem großen Sprung über den Atlantik, und einem kurzen Zwischenstopp in Frankfurt, landeten wir wohlbehalten wieder in Dresden.

Einwohnerin von San Pedro de Casta
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Blogeintrag vom 10.10.2010

Nun kommen wir zu einem absoluten Geheimtipp für alle Weltenbummler. Als Abschluss unserer Perureise stand ein Besuch in Marcahuasi an. Dabei handelt es sich um ein Felshochplateau nur 70 Kilometer von Lima entfernt. Nur 70 Kilometer, aber 4000 Höhenmeter Unterschied. Dieser Höhenunterschied ist auch der Grund, warum man für die 70 Kilometer auch 6 Stunden Fahrt braucht.

Da dieses Hochplateau touristisch eher unbekannt ist, möchte ich die Anreise etwas genauer beschreiben. Man verlässt Lima mit dem Micro (kleiner Linienbus) und fährt nach Chosica. Dabei kommt es auch auf das richtige Timing an, denn der Anschlussbus von Chosica nach San Pedro de Casta fährt nur zwei mal am Tag - einmal früh so gegen 9:00 Uhr und am Nachmittag so gegen 15:00 Uhr. Alle Zeitangaben sind natürlich im peruanischen Zeitmaß zu sehen. Im Klartext bedeutet das, dass der Bus auch eine halbe Stunde eher, aber auch eine ganze Stunde später starten kann. Also lieber ein bisschen eher da sein und für die Fahrt bereit halten. Die Fahrt nach San Pedro de Casta ist nicht unbedingt für schwache Nerven. Die eine Straßenseite ist gehts steil den Berg hoch, die andere Seite geht steil bis senkrecht in die Tiefe. Und die Schotterpiste ist nicht viel breiter als der Bus. Da wird es dann immer interessant mit dem Gegenverkehr. Wenn man einmal in San Pedro ist ist der Weiterweg nach Marcahuasi kaum noch zu verfehlen und die Dorfbewohner helfen einem gern zum richtigen Weg.

Marcahuasi ist ein Traum für jeden Kletterer, denn von seiner Beschaffenheit ist es praktisch die sächsische Schweiz von Südamerika. Und im September ist man dort oben praktisch allein. Das Gestein ist natürlich kein Sandstein, sondern wohl eher stark verwitterter Granit. Aber es ist griffig und rund verwittert, so dass es manchmal so wirkt, als sei da Honig die Wand runter gelaufen und mittendrin erstarrt - atemberaubend schön. Da es hier normalerweise keine Kletterer gibt, muss man sich alles selbst absichern, freesolo klettern oder sich auf das Bouldern beschränken. Wir hatten kein Kletterzeug dabei. Somit haben wir uns auf die letzten beiden Spielarten des Kletterns verlegt - natürlich nur mit leichten Klettereien.

Die Hochfläche von Marcahuasi bricht dann auf einmal vor deinen Auge die kompletten 4000 Höhenmeter nach Lima ins Tal. Und an der Kante stehen interessante Felstürme, die nur auf Kletterer warten. Dort klettert man im Schatten des Condors.
Beim Rückweg mit dem Bus muss man genauso gut auf das Timing achten, wie auf dem Hinweg. Der Bus fährt nur gegen 7:00 Uhr und 14:00 Uhr. Die klappernden Busse sind nervig laut. Ohne Gehörschutz klingeln einem nach der Busfahrt buchstäblich die Ohren. Die Busstrecke ist auch sicher nicht ungefährlich. Die Straßen sind schmal und nicht selten fährt der Bus an Abgründen entlang, die mehrere hundert Meter in die Tiefe reichen. Letztlich haben wir es aber gut überstanden und das Erlebnis "Marcahuasi" war es auf jeden Fall wert.


Es sollte eine abenteuerliche Fahrt werden. Mitten in der Nacht stoppte der Bus. Es wurde ein zusätzliches Wegegeld gefordert und ich war anfangs nicht einverstanden. Auf drängen anderer Einheimischer im Bus bezahlte wir dann doch das zusätzliche Geld. Wir hatten anfangs nicht ganz verstanden, warum es zu bezahlen sei. Jemand erklärte uns, dass die Straße blockiert ist und wir uns eine Passage erkaufen müssen. Dazu sollte gesagt werden, dass wir seit Cuzco nur noch von Menschen umgeben waren, die Spanisch, aber kein Englisch sprachen. Aber trotz Wegegeld bewegte sich der Bus nur wenige Meter und blieb dann wieder für den Rest der Nacht stehen. Mehr Geld wurde verlangt und diesmal verweigerten auch die Einheimischen die Bezahlung. Es half nichts. Wir schliefen im Bus und warteten den nächsten Morgen ab. Der Morgen brachte vorerst keine guten Neuigkeiten. Wir steckten mit unserem Bus am vorderen Ende eines endlosen Staus, wenige Meter von der Blockade entfernt. Die Straße war mit Steinen und Felsen blockiert, die die aufgebrachte Bevölkerung von einem Berg auf die Straße geworfen hatte. Keiner konnte mir sagen, wie lang dieser Streik anhalten würde, aber ich lernte ein neues Wort auf Spanisch. "Paro" bedeutete also soviel wie "Streik". Zum Glück hatte ich eine Karte der Gegend bei mir, so dass ich wenigstens herausfinden konnte, wo wir uns befanden. Wir steckten in Sicuani fest. Wir hatten gerade mal 150km von Cuzco geschafft und es waren noch etwa 200km bis Puno am Titicacasee. Die Lage sah nicht besonders rosig aus. Nur Zweiräder und Fußgängern war es gestattet die Blockade unbeschadet zu passieren und unser Busfahrer gab uns zu verstehen, dass der Streik durchaus zwei Wochen dauern könnte. In zwei Wochen wollten wir schon wieder in Deutschland sein.

Straßenblockade in Sicuani

Touristentross durch die Blockade

Letzlich rotteten wir uns mit einigen anderen Touristen zusammen und machten uns zu Fuß auf den Weg Richtung Puno und hofften nach nicht all zu langem Fußmarsch auf ein Transportmittel zu treffen. Immerhin war unser Komunikationproblem behoben, denn in unserer international durchmischten Gruppe waren auch Spanier. Und wir lernten auch ein deutsches Paar kennen, die gerade auf Weltreise unterwegs waren. Nach einigen Kilometern auf der Landstraße trafen wir tatsächlich auf einen Bus eines Busunternehmens. Die Preispolitik war knüppelhart erpresserisch. Das Busunternehmen war sich unserer Notsituation bewusst und bereit uns Touristen finanziell bluten zu lassen. Aber die Spanier in unserer Gruppe übernahmen die Verhandlungen und wir bezahlten am Ende immerhin nur noch 50% des ursprünglich verlangten Preises. Trotzdem war es noch für peruanische Verhältnisse ungemein teuer. Aber die Fahrt durch die Alti Plano - eine riesige Hochebene zwischen Cuzco und Titicacasee - war faszinierend. Flankiert von hohen Gebirgszügen führte die Strecke auf etwa 4000 Metern durch ein grasbewachsenes weites Tal. Bedingt durch die trockene Jahreszeit war das Gras entlang der gesamten Strecke strohtrocken und gelb. Man verliert vollkommen das Gefühl, dass man selbst immer um die 4000 Höhenmeter über dem Meer ist und die umgebenden, schneebedeckten Gipfel wohl um 5000 Meter hoch sein müssen. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so hoch unterwegs. Und doch fühlte es sich nun nich nennenwert anders an, als in den Alpen bei uns in Europa.

Blick in die Alti Plano

Wir passierten Juliaca, eine dreckig-trockene Stadt, wie ich finde und erreichten Puno am späten Nachmittag. In Puno hätten wir uns gern ein kleines Boot organisiert, um uns die Inseln im Titicacasee individuell anzusehen, aber am organisierten Massentourismus führte kein Weg vorbei. So mussten wir in den sauren Apfel beißen und mit einer geführten Bootstour erst zu den Uros-Indianern und dann zu den anderen Inseln. Die Tour an sich war interessant, aber das Vorführen einer Kultur war unangenehm und peinlich. Menschen in Trachten wurden, wie Tier im Zoo, vorgeführt und unser Guide reagierte unfreundlich darauf, wenn Touristen - uns eingeschlossen - irgendwelche kostspieligen Extras nicht wahrnehmen wollten. Im Resultat hatten wir unsere Gruppe samt Führer wenigstens mal kurz vom Hals und konnten die Insel ein wenig mehr nach unserer Art erkunden. Und wir lernten mal wieder ein deutsches Paar kennen, die sich genauso von der Gruppe abgeseilt hatten und ebenfalls in unserem Reisestil Peru bereisten.


Tracht der Uros-Indianer
Tracht auf der Isla Taquila
Kinder auf der Isla Taquila

Von Puno fuhren wir mit dem Bus nach Arequipa, der weißen Stadt. Uns blieb leider nur ein  Nachmittag und Abend Zeit für die Erkundung dieser schönen Stadt aus weißen vulkanischen Gestein. So besuchten wir das riesige Kloster, dass gleich mal einen ganzen Teil der Stadt ausmacht. Aber die Gebäude sind hier auffällig bunt gestrichen. Aber wie überall in Peru ist zwar alles bunt, aber immer harmonisch gehalten. Farbliche Fehltritte, wie bei uns in Europa, haben wir nie gesehen. Auf der Dachterasse der Kirche sahen wir dann den Sonnenuntergang hinter den Vulkanen Misti und Chachani.

Plaza de Armas in Arequipa

Im Nonnenkloster von Arequipa

Am folgenden Morgen ging es dann mit dem teuren Flugzeug nach Lima zurück. Ich wäre die Strecke gern mit dem Bus gefahren, aber uns blieb diesmal nicht genug Zeit für die Panamericana.

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Blogeintrag vom 21.09.2010

Cusco streikt...

Wir sind von unserer kurzen Treckingtour zurueck, mussten diese aber unfreiwillig abkuerzen. Bis gestern lief noch alles gut und wir haben die Nacht auf ungefahr 4000m gut im Zelt ueberstanden. Das ist hier auch alles soweit nicht das Problem, da es ja ganze Steppenlandschaften bis ueber die 4000m gibt und auch Eukalyptus waechst hier bis in diese Hoehenbereiche. In der Nacht wollte ich dann den Nevado Pikol (4450m) angehen musste aber bei ca 4200m umkehren, da ausgerechtnet letzte Nacht Hochnebel am Gipfel war... naja egal :)
Am Morgen wollten wir dann zur Inka-Staette Tipon wandern, aber eine riesige Mure hat vor ein paar Monaten den halben Berg samt Wanderweg ins Tal befoerdert. Also sind wir zurueck und ins naechste Dorf abgestiegen. Dort angekommen -oh grosse ueberraschung- gab es weder Bus noch Colectivo oder Taxi. Die komplette Gegend liegt im Streik fuer zwei Tage. Also nix Tipon sondern erstmal zurueck nach Cusco - ein paar Taxis fahren zum Glueck wenigstens in diese Richtung. Cusco hat sich in diesen zwei Tage grundlegend geaendert: Was vor zwei Tagen noch aufgeraeumt und halbwegs sauber aussah ist nun mit kleinen Strassenblockaden aus Betonbrocken verziert. Gut das wir im Hochland waren :) Und statt mit doofen Trillerpfeifen, wie bei uns zu Hause wird hier Fussball spielend auf der Strasse gestreikt und froehlich blockiert.
Somit sitzen wir nun bis heut abend um 7 hier im Busterminal fest und warten auf unsere Abfahrt, da wir ja im Moment auch kein Hostal haben und damit auch dass gesamte Gepaeck an der Backe haben.
Aber heut abend gehts dann endlich nach Puno, wo hoffentlich nicht gestreikt wird ;)
Noch lauft alles nach spontanem Plan... halt mit ein paar abstrichen.

Bis bald
Tobi und Regina

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Blogeintrag vom 25.09.2010

Nach den turbulenten Streiks bei Cusco sind wir mit einer komplizierten Busfahrt nach Puno, am Titicacasee angelangt. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Situation in Cusco ordentlich aus dem Ruder lief.
In Puno angekommen wurden wir gleich erstmal mit Angeboten zu den verschiedenen Sehenswuerdigkeiten wieder ueberhaeuft. Das ist manchmal recht aergerlich, wenn man einfach mal individuell und unabhaengig die Gegend erkunden will. Das ist in Puno praktisch nicht moeglich - Jedenfalls nicht in der Kuerze der Zeit.

Also haben wir uns diesmal gegen die Kulturstaette von Sillustani und dafuer fuer einen Bootstrip ueber den See entschieden. Erst ging es zu den schwimmenden Inseln der Uros-Indianer. Diese leben nach wie vor auf ihren Schilfinseln und leben angeblich vom Fisch, den Voegeln im Schilf und deren Eiern - sehr interessant, sehr traditionell. Wenn man genauer hinschaut sieht man natuerlich, dass es mit der tradition nicht mehr ganz so weit her ist und ein wichtiges Lebensmittel der Tourist ist :)
Anschliessend ging es mit dem Boot weiter zur Isla del Taquilla... alles auch sehr traditionell da und die Insel wird ueber Terassenwirtschaft viel Landwirtschaftlich genutzt. Trotzdem sah es recht trocken und karg aus. Naja, wenigstens ein sehr geruhsamer Tag und wir haben auch Nadine und Jan, zwei Dresdner kennengelernt.

Seit gestern sind wir nun in Arequipa, einer wunderschoenen Stadt im Schatten der Vulkane Misti und Chachani (beide um die 6500m). Aber uns fehlt nun ein wenig die Zeit um dort noch rumzuwandern, denn wir fliegen nachher zurueck nach Lima (0Meter). Dort geht es dann hoch nach Marcahuasi (ca 4000m).
Aber mehr davon beim naechsten mal aus Lima.

Liebe Gruesse
Tobi und Regina